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Psychosoziale Notfallversorgung

Menschen werden zumeist unvorbereitet durch plötzlich eintretende Not- und Unglücksfälle aus der Normalität ihres Lebens herausgerissen: Wenn Eltern durch das plötzliche Versterben ihres Kindes wie gelähmt sind, die Polizei nach einem schweren Verkehrsunfall der Familie die Nachricht über den Tod des Vaters überbringen muss oder Menschen mit dem Suizid eines nahen Angehörigen oder Freundes zurechtkommen müssen.

 

Die Maßnahmen der Psychosozialen Notfallversorgung zielen dabei auf die Bewältigung dieser kritischen Lebensereignisse und der damit einhergehenden Belastungen für Betroffene (Angehörige, Hinterbliebene, Vermissende, Unfallzeugen von Notfällen) einerseits und für Einsatzkräfte andererseits. Um die Qualität nach einheitlichen Standards sicherstellen zu können, sind Ziele, Aufgaben, Einsatzindikationen, Maßnahmen, sowie Anforderungen und Ausbildungscurricula im DRK-Rahmenkonzept PSNV beschrieben.

Die psychosoziale Akuthilfe von Betroffenen wird im DRK bundesweit von sogenannten Kriseninterventions- oder Notfallnachsorge-Diensten übernommen. Mitarbeitende dieser Dienste sind in einer psychosozialen Grundausbildung, der Qualifizierung zum Kriseninterventionshelfer, sowie Hospitations- und Praktikumsphasen auf Ihre Einsatztätigkeit vorbereitet worden. Regelmäßige Fortbildungen und Supervision sind verbindlicher Standard.

 

Für die psychosoziale Unterstützung von Einsatzkräften sind Kollegiale und Psychosoziale Ansprechpartner zuständig – selbst Einsatzkräfte der Rettungsdienste und Bereitschaften, die sich für die kollegiale Begleitung ihrer Kollegen im Umgang mit Stress und Belastungen qualifiziert haben. Fachlich begleitet werden diese von Psychosozialen Fachkräften.

Einen schweren Verkehrsunfall mit einer Straßenbahn, bei dem ein Kind getötet wurde und die unverletzten Eltern ohne fachliche Betreuung an der Einsatzstelle zurückbleiben mussten, nahm der Rettungsassistent und Diakon Andreas Müller-Cyran zum Anlass, am 9. März 1994 im Arbeiter-Samariter-Bund München das weltweit erste Kriseninterventionsteam zu gründen, um solchen Situationen organisiert begegnen zu können.

Der Stellenwert der PSNV wird in der Fachwelt nicht mehr bestritten, mittlerweile ist sie in zahlreichen Bereichen ein fester Bestandteil des Rettungsdienstes.

Die Krisenintervention hat auch bei Großschadenslagen und im Massenanfall von Verletzten ihren Stellenwert. Der erste Großeinsatz für die Krisenintervention und Notfallseelsorge mit großem Medieninteresse war 1998 beim ICE-Unglück von Eschede. Auch überregionale und internationale Einsätze lokaler Kriseninterventionsteams sind mittlerweile üblich (Beispiele sind der Concorde-Absturzes in Paris 2000, das Bergbahn-Unglück in Kaprun 2000, die Terroranschläge am 11. September 2001 in New York City, der Amoklauf von Erfurt und Freising 2002, die Busunglücke des Jahres 2003 in Siófok/Ungarn, Lyon/Frankreich Vicenza/Italien, eine Geiselnahme am Flughafen München 2004, die Flutkatastrophe nach dem Seebeben im Indischen Ozean 2004 und der Eishalleneinsturz in Bad Reichenhall 2006).

Einsätze im Ausland werden dabei im Allgemeinen vom Auswärtigen Amt angefordert, die überregionalen Einsätze erfolgen im Auftrag des Innenministeriums oder der örtlich zuständigen Einsatzleitung. Das Bayerische Rote Kreuz hat die Krisenintervention als festen Bestandteil seiner überregionalen Einsatzverbände aufgenommen.

Bei entsprechenden Lagen wird eng mit dem Betreuungsdienst zusammengearbeitet.