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100 Jahre (1916-2016) Deutsches Rotes Kreuz Ortsverein Nidderau

Die Hundert als Jubiläumszahl

Ein hundertjähriges Jubiläum ist „der Rede wert“, und zwar einer richtig „runden“ Rede, die man so nicht „schon hundertmal“ gehört hat.

 

Pierre de Coubertin (1863-1937), französischer Historiker,
Damit 100 Menschen ihren Körper bilden, müssen 50 Menschen Sport treiben. Und damit 50 Menschen Sport treiben, müssen sich 20 Menschen spezialisieren. Damit sich aber 20 Menschen spezialisieren, müssen 5 Menschen zu überragenden Spitzenleistungen fähig sein.

 

Ein spanisches Sprichwort:
Es gibt weder eine gute noch eine schlechte Zeit, die 100 Jahre dauert.

 

Die Hundert als außergewöhnlicher Name

Die 100 als außergewöhnliche Zahl steht auch für außergewöhnliche Ereignisse, z. B. für ein „Jahrhundert-Hochwasser“ oder  – erfreulicher – für einen „Jahrhundert-Sommer“.

 

Die Hundert als Zähl- und Maßeinheit

Der Centurio war ein römischer Hauptmann, der eine Hundertschaft befehligte (centum=100). Bei den Germanen standen Verbände von je 100 Familien unter der Führung eines „Zentgrafen“.
In China steht der Ausdruck 100 Münder für eine weit verzweigte Familie.

 

Friedrich Nietzsche (1844-1900), deutscher Philosoph:
Niemand weiß, welche Nachricht von Bedeutung ist, bevor 100 Jahre vergangen sind.

 

(Joachim Gauck Rede anlässlich der 100 Jahre DLRG 2013 - Angepasst an das DRK Nidderau)

In den Vergangenen Monaten, Wochen und Tagen sowie auch heute Morgen ist der Hauptanteil der Nachrichten der folgende:

Oder wir denken, wenn wir ans Mittelmeer denken, an Kriegsflüchtlinge. Und wir müssten uns fragen, ob wir überhaupt Feste feiern dürfen?

Aber es gibt nie Zeiten ohne schlechte Nachrichten. Und wenn sich die guten Menschen durch schlechte Zeiten davon abhalten ließen, ihre Feste zu feiern, dann wäre die Welt noch trauriger und uns wäre vor allen Dingen überhaupt nicht geholfen – besonders wenn wir Feste feiern mit Menschen, die sich engagieren, um der Not entgegenzuwirken, dem Elend und dem Unglück.

Redewendungen enthalten oft sehr viel Weisheit und sehr viel Lebenserfahrung.

So sagen wir häufig von jemandem, der sich stark für jemand andern einsetzt, diesem häufig oder gezielt, in allen Lebenslagen, hilf: „Seine Hilfe ist nicht mit Gold auf zu wiegen.“

Soll heißen: Kein Geld der Welt kann die Leistung des Helfers bezahlen.

Doch womit bezahlt man einen solchen liebgewonnenen und notwendigen Helfer? Hierauf kann nur das alte Wort für Bezahlung, also Vergütung, eine Antwort geben.

Es muss ein Gegenwert/ Gegenleistung erbracht werden.  Und wer wüsste das besser als die Mitglieder des Deutschen Roten Kreuzes des Ortsverein Nidderau.

Wer wirklich erkannt hat, dass die Helfer des DRK nicht (alleine) mit Geld zu bezahlen sind, der hat sich bereits Gedanken gemacht, welche eigene aktive Gegenleistung am besten geeignet ist.

 

Es sollte sich jeder Überlegen, wer diese Menschen sind, die „die letzte Rettung in der letzten Sekunde“ durchführen.  Die eben genutzte gebräuchliche Redewendung zeigt, welchen Stellenwert die DRK-Helfer haben.

Das weiß auch jeder!

Wirklich???

Kennt wirklich Jeder diesen Stellenwert?

 

Wer „die Rettung in letzter Sekunde“ benötigt und dank der „mit Gold nicht aufzuwiegenden Hilfe“ auch bekommt, hat hier in Nidderau unter anderem sein Leben dem DRK Nidderau zu verdanken.

Seit 100 Jahren gibt es nun den Ortsverein Nidderau des Deutschen Roten Kreuzes. Die einleitenden Worte über die Nachrichtenmeldungen und Zitate waren auch vor 150 Jahren und vor 100 Jahren der Grund für die Gründung des Roten Kreuzes und dann eben des DRK Nidderau.

Seit 100 Jahren nun kümmern sich bei uns Menschen, die Not und Leid lindern, wenn sie aktiv „Abhilfe schaffen“, um andere Menschen, die in allen Lebenssituationen in Gefahr geraten sind. Das ist also heute ein Festtag, den wir feiern.

 

Und wir feiern ihn zu Recht groß.

 

Das ist für mich der Teil unserer Gesellschaft, auf den ich besonders stolz bin: dass Menschen ohne Entgelt freiwillig und ohne staatlichen Auftrag für Ihre Mitmenschen da sind.  […] Wo Menschen sich engagieren, wo sie anpacken, wo sie sich ein Herz fassen und sagen: Hier mache ich mit, das ist mein Deutschland.

Wenn ich so etwas sehe, dann geht mir selber das Herz auf. Dann sage ich es laut und vernehmbar: Zwar ist so vieles bei uns verbesserungswürdig, auch muss vieles reformiert werden. Auch liegt immer manches im Argen. Aber sehr vieles ist eben auch in Ordnung, sehr vieles kann sich sehen lassen, auf sehr vieles kann man aufbauen, wenn es um die Gestaltung unseres Zusammenlebens, unseres Gemeinwesens geht. Dazu gehört nun das, […], was hier an ehrenamtlichem Einsatz für andere geleistet wird. Und weil das manchem schon beinahe selbstverständlich erscheinen mag, will ich das Lob […] heute ganz laut anstimmen.

Das DRK gehört zu jenen großen Massenbewegungen unseres Landes, die gar nicht weiter auffallen, die sozusagen seit eh und je einfach dazugehören – deren Existenz sich aber, wenn man genauer hinsieht, gar nicht von selber versteht.

Das es das DRK Nidderau gibt, es seit 100 Jahren gibt:

 

Das ist nicht selbstverständlich, das alles verdanken wir nichts anderem als dem freiwilligen Engagement von hunderten von Menschen. Ja, über die ganzen 100 Jahre betrachtet, kann man sagen: von Tausenden Menschen.

Tausende Menschen, die, Sie wissen es alle, niemand gezwungen hat, sich in ihrer Freizeit in Erster Hilfe oder im Rettungsfachwissen auszubilden, die das aus freien Stücken und mit großer innerer Überzeugung tun, die in ihrer Freizeit Sorge dafür tragen wollen, dass Menschen vor Gefahr bewahrt oder aus Gefahr gerettet werden.

Bei den Einsätzen während der Flüchtlingshilfe, Ende letzten Jahres hat das DRK Nidderau immer mehr gezeigt, wie verlässlich, wie schnell und wie gut es in der Lage ist, Hilfe zu leisten, auch im größeren Umfang als früher.

Sich also für andere einzusetzen und dabei neue und spannende Lebenserfahrungen zu machen: Das ist für viele Ehrenamtliche die Motivation mitzumachen. Und diese Haltung, sie strahlt als Vorbild offenbar auf andere aus.

So muss sich, das DRK leider Sorgen darum machen, zu wenig aktiv helfende Menschen zu haben.

 

Das muss manchem in unserem Lande durchaus vor Augen stehe.

Jedes Kind weiß, was ein Rettungswagen ist und wann dieser zur Hilfe kommt, jedenfalls sobald es in der Schule Sachuntericht hat.

Darum fällt es uns auch gar nicht auf, dass die hauptberuflichen Rettungskräfte auf Großveranstaltungen nicht mal kommen würden, wenn sie nicht von den ehrenamtlichen Helfern vor Ort gerufen werden würden.

Es mag daran liegen, dass dem Menschen die Selbstverständlichkeit der zwischenmenschlichen Hilfe, bewusst oder unbewusst weiter gegeben wird.

Woran wir heute noch anknüpfen, sind die historisch gewachsenen Aufgaben und Strukturen sowie die Idee, die hinter der Gründung sowie der aktuellen Arbeit des Roten Kreuz auch hier in Nidderau steht: nämlich die Bereitschaft zur

  • Verbesserung des Loses der Verwundeten und Kranken im Felde,
  • Verbesserung des Loses der Verwundeten, Kranken und Schiffbrüchigen zur See
  • Verbesserung der Behandlung von Kriegsgefangenen
  • Verbesserung des Schutzes von Zivilpersonen (in Kriegszeiten)

                      - in nationalen und internationalen Kriegen 

Das erfordert,

  • der allgemeinen Bevölkerung die Erste Hilfe beizubringen,
  • auf andere achtzugeben,
  • anderen das Gefühl der Sicherheit zu geben
  • und – wenn es im Notfall darauf ankommt
  • – andere zu retten aus der Gefahr, in der sie sich befinden.

Und damit verbindet sich dann die Freude daran, mit Menschen im Kontakt zu sein, helfen zu können und sein eigenes Wissen steigern zu können.

Die Ideale und die Arbeit […] sind auch ein Modell für die Gesellschaft als Ganzes: gemeinsam Fähigkeiten entwickeln, um sich gegenseitig zu fördern, aufeinander achtzugeben und einander zu beschützen – und, im Notfall, aus Gefahr zu retten und in Sicherheit zu bringen. Wie könnte man das Funktionieren einer Gesellschaft besser beschreiben?

100 Jahre Deutsches Rotes Kreuz Nidderau, das heißt: 100 Jahre Freude an der Hilfe für unsere Mitbürger und rettender Einsatz für andere.

Von diesen Helfern braucht Nidderau noch 100 mehr.

 

Adaption des Zitats von Pierre de Coubertin am Anfang:

 

>> Damit 100 Menschen aktiv im DRK helfen, müssen 50 Menschen die Organisation am Laufen halten. Und damit 50 Menschen die Organisation am Laufen halten können, müssen sich 20 Menschen spezialisieren. Damit sich aber 20 Menschen spezialisieren können, müssen 5 Menschen zu Ausbildern und Führungskräfte werden.<<

 

Zum Dank gehört, dass wir uns über das Erreichte freuen und dass wir es feiern dürfen.

Dankeschön!

(Joachim Gauck Rede anlässlich der 100 Jahre DLRG 2013 - Angepasst an das DRK Nidderau)

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